Samstag, 17. Januar 2015

Allgemeines zum Phänomen des Zitierens

vondorten

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Ich kam herab auf die Welt, aufdaß ich den Zitierenden das Wesen des Zitierens aufzeige.

Dem ursprünglichen Ansinnen nach hätte ich nur Blödsinn produzieren sollen; doch passiert es gelegentlich, daß ich mich aus den Gefilden des reinen Blödsinns in nichtblödsinnhafte Bereiche verirre.

Aber das macht nichts.

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Im Allgemeinen ist vor allem das westliche Leben durch Autoritätshörigkeit geprägt.

Wo eine Autorität auftaucht, setzt das Denken – so überhaupt aktiv – automatisch aus, und man überläßt es jenem weisen Manne, der alles viel besser weiß; und dann zitiert man jenen weisen Mann, um zu zeigen, daß man auch weise ist; zumindest weise genug, um solch weise Männer zitieren zu können.

Das ist, glaub ich, schon lange so; bloß wurde es, wie mir scheint, in unseren fortschrittlichen Zeiten noch viel schlimmer als früher.

Schon Goethe machte sich darüber lustig (man sehe nur verschiedene Szenen zwischen Faust und Wagner); bloß ist der Goethe berühmt als ernster Dichter, den man zitiert; und deshalb merkt man es nicht.

Am Gymnasium hatte ich einen Geographielehrer, der seinen ernstgemeinten Ratschlag, immer schön alles aufzuschreiben, mit einem Zitat aus dem Fauste zu würzen pflegte:

'Was man schwarz auf weiß besitzt kann man getrost nach Hause tragen.'

Als ich dann später, gymnasiumunabhängig, jenen Faust als lockere Privatlektüre behandeln durfte, verstand ich, daß der Goethe sich da ganz einfach lustig machte. Was jener Lehrer, in sein autoritätsbestimmtes System eingebunden, natürlich nicht mitbekommen hatte. Durfte er gar nicht; wo kämen wir hin, wenn alle den Goethe sich real zu Herzen nehmen würden.

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Berühmte Autoritäten, die nicht bloß berühmt sind, sondern tatsächlich was zu sagen haben (es gibt auch heute noch solche), müßten, um richtig wirksam werden zu können, unter nichtssagendem Pseudonym ihre Gedanken verstreut in sozialen Netzwerken verbreiten.

Dadurch können sie wenigstens verstreute Einzelne zum Aufmerken bringen; während man das, was sie als berühmte Autoritäten verbreiten, nur zitiert und anschließend zur banalen Tagesordnung übergeht.

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Herzlichst
euer
Wilhelm von Dorten

Goethe

Freitag, 2. Januar 2015

Abseits abgesicherter Abwege

abgesicherte Abwege

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Anmerkung:

So manche brauchbare Denkansätze wurden im Laufe der Menschheitsentwicklung formuliert, die ein jeder auf seine Weise in eigener Entwicklung fruchtbar machen kann.

Für denjenigen, der lebendiges Gedankengut ausformuliert, bedeutet solches Ausformulieren einerseits nicht selten auch ein Schritt in der eigenen Entwicklung, und andererseits eine Art Gesprächssituation mit solchen, die sich gleichfalls in Entwicklung erleben.

Läßt man nun solche lebendige Denkansätze, statt sie als Anregung für lebendige Entwicklung zu nehmen, zu dogmatischen Ideologien gerinnen – die dann ein jeder im Sinne seiner privaten menschlich-allzumenschlichen Vorlieben für sich noch etwas zurechtdeuteln kann – werden sie zu Abwegen.

Mir sind solche festgestampfte dem fließenden Leben abgetrotzte Abwege unerträglich.

Ja nu. Irgendwie hält man mit seinen spärlichen Navigationskünsten den Kurs; und zunehmend wird es einem schnuppe, daß man sich mit der satten Sicherheit immer weniger verständigen kann.

Herzlichst,

euer Wilhelm von Dorten