Freitag, 2. Februar 2018

Authentisch posieren

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Die Wurzeln solcher weitverbreiteter „alternativen“ Fremdbestimmung ließen sich bei Bedarf von den verschiedensten Seiten her in ihrer ganzen Plastizität vorstellen und darstellen.
Der Aufbruch zur eigentlichen „Ursprünglichkeit“ beginnt meist mit einem Aufmerken: daß irgendwas nicht stimmt. Doch der Weg von solchem in diffuses Unbehagen getauchten Aufmerken bis zum merklichen Einsetzen der Fähigkeit, die eigenen Motive und Treibfedern gegenüber dem allgemeinen Mief abzugrenzen, ist hart, führt durch dichte Nebelbänke und nimmt kein Ende, da die „Fremdbestimmungsangriffe“, je mehr man sich befreit, immer sublimer werden.

Solchen Weg geht man – so man ihn geht – aus einem inneren Bedürfnis, aus einer inneren Not heraus, und er führt, ganz natürlich und „organisch“, zu einem allmählichen Heranreifen von Redlichkeit, Ursprünglichkeit, Selbstbestimmung, oder wie immer man es nennen mag, im eigentlichen Sinne.

Fromme Postulate führen höchstens zu einem sich „fortschrittlich“ gebärdenden alternativen Spießertum mit seinem unreflektierten Verheddertsein in wohlklingende Bezeichnungen wie „Toleranz“, „Authentizität“ und sonstige Edelmutsurrogate.
Viele wissen halt nicht, daß ein Unterschied besteht zwischen Wort und Inhalt, zwischen Wort und „Sache“, und gehen ganz selbstverständlich davon aus, daß sie durch häufigen Gebrauch von Wörtern wie 'Liebe', 'Toleranz', 'Geist' ganz automatisch würdige Vertreter sind von Liebe, Toleranz und Geist; was immer sie auch – so überhaupt – darunter verstehen mögen.

So entsteht ein Alternativspießertum, dessen „Authentizität“ darin besteht, daß krampfhaft äußere Formen geschaffen werden, die sich von den Formen des „Mainstream“ zu unterscheiden haben. Doch im Untergrund bleibt alles „Mainstream“; und nichts verändert sich, solange nicht viele Einzelne, statt sich von solcher ausgehöhlten Frömmelei ablenken zu lassen, sich auf den mühsamen Weg machen zu „Authentizität“ im eigentlichen Sinne.

So isses

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Mit authentischem Gruße

Euer

Wilhelm von Dorten

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Montag, 15. Januar 2018

Kröwopreck und die neurechten Krokodocken



Kollege Sami Otchi-Chuthi
über die sprachbereichernde Funktion
des Geistes Kröwopreck

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Man mag dem entgegenhalten, daß der Kröwopreck sich umsonst abmüht, da die fortschrittliche Menschheit auch ohne sprachschöpferische Geister in der Lage ist, laufend neue Wörter zu erfinden; und dies ganz ohne unnötige Anregungen, sich um irgendwelchen Inhalt zu kümmern für die neuen Wörter. Mit solchen Wortschöpfungen schlägt und wirft man um sich herum wie der Gehbehinderte, wenn er wütend ist, mit seinen Krücken; und wer sie ernst nimmt, den können sie trotz ihrer Leere ganz empfindlich treffen: du bist ein Verschwörungstheoretiker, dir braucht man gar nicht zuzuhören; der da ist neulinker Putinversteher; und der da vorne, nehmt euch in Acht, neurechter Krokodocke. 
Oder sonstwelche Wörter ohne rechten Inhalt: dieser da ist ein Promi und deshalb bedeutend; und so weiter und so fort.


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Aber da der Kröwopreck nun mal aufgetaucht ist und angefangen hat zu wirken, soll er halt machen. Zudem können Tippfehler viel lustiger und klangvoller sein als all diese lautlich lahmen „Neurechter“, „Putinversteher“, "Verschwörungstheoretiker" oder „Promi“

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Mit tippfehlerischen Grüßen
Euer
Wilhelm von Dorten

 

Sonntag, 9. Juli 2017

Schwippschwager Schappelmann

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Einer unserer Kollegen, dem das Los zugefallen ist, sich mit den Werken von Kollege Wladimir Nabokov zu beschäftigen, wurde beim Lesen in der Nabokovschen Familiengeschichte plötzlich neugierig, was für eine familiäre Beziehung das ihm ansonsten geläufige russische Wort свояк genauer zum Ausdruck zu bringen pflegt. 
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Und siehe: das ist der Mann der Schwester der Frau. – Daß es irgendwas mit Verschwägertsein zu tun hat, wußte er; aber so genau hatte er es nicht gewußt. Richtig schwindelig wurde ihm von dem, was so detailliert dort geschrieben stand. 
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Er suchte dann auch nach der deutschen Bezeichnung für solchen Mann der Schwester der Frau; und so stieß er zum ersten Male im Leben auf das deutsche Wort Schwippschwager
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Die Kombination der beiden „schw“ mit dem zum „a“ rüberschwappenden „i“ gefiel ihm so gut, daß kurz darauf der Schwippschwager Schappelmann geboren und als Werk unseres Kollegen Ernst Tirckl-Wolff der Weltliteratur überantwortet wurde.
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Mit schwippschwägerischen Grüßen
Euer 
Wilhelm von Dorten